Was Frauen anmacht PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von Journalistenkolleg 2007/2008   
Wednesday, 11. June 2008

Von FLORA EDER und BARBARA KLUGER 

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Frauen haben besondere Ansprüche an Pornos. Quelle: innocentpictures.com

 

 

 

Der Bedarf ist da, trotzdem gibt es nur acht Pornos für Frauen. Es geht um das erlebbare Kino im Kopf und Darstellerinnen, die auch sprechen können.

 

 

 

 

Zwei Frauen liegen halbnackt am Sofa. Der Mann hält sein Gesicht zwischen ihre Brüste und lässt sie sich an die Wangen klatschen. Er befindet sie für gut. Danach nimmt er eingehend die Geschlechtsteile der Frauen unter Fleischbeschau. DVD raus, neuer Film rein. Eine Frau mit langen, blonden Haaren in einem tief ausgeschnittenen Satinkleid liegt erregt auf einem Canapé. Lasziv isst sie Kirschen. Sie schließt die Augen und beginnt zu stöhnen. Die Kamera schwenkt zu ihrem Schoß, sie zieht den Rock hoch. Ein Mann kommt zum Vorschein, der sie oral befriedigt. Sie stöhnt.

 

Handlung, nicht nur "Geficke". Zwei Pornoszenen: Während die erste Männer antörnen soll, ist die zweite für weibliches Publikum gedreht. Die erste Szene stammt aus „Yasmine Pornochic 14“, einer amerikanischen Produktion, die zweite aus „Constance“, herausgegeben von Lars von Trier, der eigentlich als Spielfilm-Regisseur bekannt ist. Gerade einmal acht Frauenpornos im engeren Sinne gibt es auf der Welt; Constance ist einer davon. Das sagt zumindest Ingrid Mack, Geschäftsführerin von „Liebenswert“, dem einzigen Erotikfachgeschäft für Frauen in Wien. Seit 14 Jahren sieht sie sich Pornos an und sucht sie für ihr Sortiment aus. Mack setzt dabei auf „Handlung, nicht nur Geficke, Sensibilität im Umgang mit der Sex-Aktivität, gute Musik und Ambiente“.

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Handlung, Sensibilität und gute Musik. Quelle: innocentpictures.com

 

Blick durchs Schlüsselloch. Dabei sind Frauen keinesfalls weniger visuell als Männer. Frauen reagieren genauso auf sexuelle Reize durch Bilder, ihre Bedürfnisse sind aber anders: „Wir Frauen wollen den Blick durchs Schlüsselloch, wollen das Versteckte, wollen erahnen.“ Frauen wollen Kino im Kopf. Sie wollen ihre Fantasien danach selbst erleben, und daher auch nicht unterdrückte Frauen sehen. Pornos funktionieren für Frauen dann, wenn Spannung aufgebaut wird und sie wissen wollen, wie es weiter geht.

 

Darstellerinnen die sprechen können. Die Nachfrage für anspruchsvolle Pornos besteht: „Zu hundert Prozent“, sagt Mack. Und das, obwohl dem Pornofilm für Frauen anfangs nur wenig Erfolg vorhergesagt wurde. „Vor acht Jahren dachten die Porno-Produzenten noch: ‚Das schaut sich ja keiner an. Da brauchen wir ja Darstellerinnen, die sprechen können’“, sagt sie.


Ästhetische Deutlichkeit. Frauenpornos sind nicht gleich Lesbenpornos, und schon gar nicht Softpornos. „Das Schönen und Soften funktioniert nicht“, sagt Claudia Gehrke, Verlegerin des konkursbuch-Verlags. „Frauen werden durch direkt Sexuelles angemacht, aber es kommt eben darauf an, wie es gedreht ist“. Sie setzt bei den Frauenpornos, die sie ins Programm nimmt, auf Kunstfertigkeit und „ästhetische Deutlichkeit“, wie zum Beispiel bei Filmen der US-Regisseurin Maria Beatty.

 

Pornoheft für Mädchen. Der Erotik-Markt für Frauen hat aber noch viele unergründete Gebiete. Eines davon bestreiten Nicole Rüdiger und Elke Kuhlen. Sie geben seit sechs Jahren das „Jungsheft“ heraus, ein Pornoheft für Mädchen. „Pornographie für Frauen hat einen anderen Blickwinkel: Er ist neuer, unverbrauchter“, sagt Rüdiger. Und dieser Blick ist zur Zeit im Aufschwung. „Mittlerweile ist es fast schon schick, etwas mit Frauenpornos zu machen.“ Mit der Frauenbewegung habe das aber nichts zu tun. Das Jungsheft wolle viel mehr einen „Gegenweg gehen“. Auch von Alice Schwarzers PorNO-Kampagne hält Rüdiger nichts. Die Alternative ist nicht keine Pornos, sondern bessere Pornos.

 

 

www.liebens-wert.at

www.jungsheft.de

www.konkursbuch.com 

 

Letzte Aktualisierung ( Wednesday, 11. June 2008 )
 
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